IMO | Ich bin gegen diese Demokratie
Ja richtig gelesen, ich bin gegen diese gegenwärtige Form der Demokratie, der parlamentarischen Demokratie die wir gegenwärtig in Deutschland haben. Und nein ich bin nicht für Diktatur der Monarchie, sondern für einen wesentlich radikaleren Ansatz der Demokratie. Ohne Staat, ohne Politiker, ohne Kapitalismus. Menschen die eine gemeinsame Basis haben und dezentral und betroffenheitsbasiert selbst entscheiden was für sie das richtige ist. Nicht im Mehrheits- sondern im Konsensentscheid, mit Vetorecht für den Einzelnen als eingebauter ultimativer Minderheitenschutz. Ganz ohne Herrschaft des einen Menschen über den anderen.
#IMO #Gedanken #Demokratie #Mehrheitsentscheid #Konsensentscheid #Parlamentarismus #Staat #Kapitalismus #Herrschaft @dach
Wodurch “hat” er den denn? Wieso sollten die Schlâger*innen ihm gehorchen?
Weil sie dann zusammen stärker sind und bestimmen können. Menschen neigen nunmal zu Gruppenbildung. Die Menschheit kommt doch quasi von der Anarchie und dadurch hat sich über die Geschichte (Stämme ->Völker->Königreiche->Nationen) das ganze Geflecht aus Staaten und Gesetzen gebildet. Verstehe nicht warum wir jetzt wieder zurück sollten. Klar ist das jetzige System nicht perfekt, aber wir sollten auf den Errungenschaften aufbauen und nicht alles über den Haufen werfen
Geschichte ist nicht linear und auch kein Fortschritt per se, auch wenn das gerne populärwissenschaftlich darauf heruntergebrochen wird. Wir haben den Status Quo, weil diese Systeme Machtkonzentration durch Ausbeutung ermöglicht und erweitert haben und sich jetzt darum herum ein weitgehend selbsterhaltendes System aufgebaut hat (und eben nicht, weil es das beste System für die Behandlung von Menschen war). Ausbeutung ist da drin aber kein Fehler, sondern dem System intrinsisch (siehe die Geschichte ab 1820). Alle positiven Aspekte sind Zugeständnisse, die regelmäßig zur Disposition gestellt werden können (40Std-Woche, Arbeitsschutz). Wachstum durch Ausbeutung kann dagegen niemals infrage gestellt werden. Deshalb lässt sich das System nicht reformieren.
Wenn du einen Hund hast, behandelst du ihn womöglich auch gut, wenn er sich gut verhält. Das macht ihn aber nicht unbedingt freier, sondern er läuft immer noch an seiner Leine.
Klar kann man darüber streiten ob es sowas wie Fortschritt gibt in der Menschheitsgeschichte aber natürlich gibt es so etwas wie eine Kausalitätskette. Und es ist nunmal so, dass sich aus dem Urzustand der Anarchie der heutige Zustand entwickelt hat. Mein Punkt ist, dass diese Entwicklung sehr wahrscheinlich wieder so ähnlich eintreten wird. Oder wie stabilisiert sich eine Anarchie? Die Bedürfnisse und die psychosoziale Struktur ist doch so, dass es quasi sofort zu Gruppenbildungen kommt und sei es am Anfang nur die jeweilige Familie. Zwischen den Gruppen kommt es zu Machtkämpfe und innerhalb der Gruppen muss eine Ordnung hergestellt werden und schon hat man Hierarchien, die sich immer weiterentwickeln bis man zu soetwas wie Nationen gelangt.
Und wie oder wer entscheidet jetzt ob es besser für den Hund ist sich nicht um seine Nahrung, Sicherheit usw. kümmern zu müssen oder nicht an der Leine laufen zu müssen? Gar nicht so trivial zu sagen in welcher Option der Hund “freier” ist.
@saimen @tofu Was genau definiert Du dabei als Anarchie?
Ich Frage nur deshalb weil die meisten Menschen Anarchie mit Anomie verwechseln, woran vor allem die Politik und die Medien Verantwortung tragen.
Die Abwesenheit von Hierarchie
@saimen Und Du meinst das das Menschen sich nicht ohne Hierarchie abstimmen können? Ich frage nämlich weil ich genau das jeden Tag im beruflichen als auch im privaten Bereich erlebe.
Über das ‘sollen’ ließe sich ja noch streiten. Ich sehe halt nicht, warum wir zurück ‘würden’.
Wie du schon sagst: so lange auch nur eine Gruppe sich mehr davon verspricht, sich einfach gegen den Rest zu verbünden und die eigenen Vorstellungen durchzudrücken, wird es nicht klappen.
Das ist doch letztlich in allen Gesellschaftsformen so, das einzelne Grenzen testen und zu ihrem Vorteil verschieben möchten.
Warum solltest du für jemanden kämpfen und die Gesundheit von dir und deiner Familie/Freund*innen aufs Spiel setzen, wenn dir die anderen Herrschaftsfreiheit und die Erfüllung deiner Bedürfnisse bieten?
Der Vorteil ist die Erfüllung deiner Bedürfnisse. Wenn du lieber alleine unterwegs sein möchtest, dann mach das. Kooperation ist und bleibt aber der Schlüssel zum Erfolg menschlicher Gesellschaften. Ist das kompliziert? Fraglos. Ist das möglich? Definitiv.
Warum will Trump immer mehr Macht, obwohl er Geld hat, eine Familie, ein Haus, keinen Hunger leidet, etc? Warum will Putin die Ukraine erobern, obwohl er bereits das größte Land der Erde besitzt? Warum schmeißt sich sein Volk für ihn bereitwillig an die Front und lässt sich verheizen? Warum will China unbedingt Taiwan erobern, obwohl das wirtschaftlicher Selbstmord ist und der Entwicklung des eigenen Volk abträglich? Warum wählen Menschen in Deutschland, denen es global gesehen extrem gut geht, die AfD? Weil der Mensch an sich halt, sobald er etwas hat, einfach oft immer noch ein bisschen mehr will.
Ich glaube, ich verstehe worauf die hinaus willst. Drei Punkte dazu:
Zusammenfassend: Alle Punkte, die du genannt hast, sind für mich Argumente gegen den Status Quo, weil ich sie für Produkte (keine Irrläufer) des Status Quo halte. Das ist einfach eine Frage der Perspektiven.
Die Frage ist doch nicht, ob alle oder die meisten Menschen machthungrig sind, sondern wie sich in einer herrschaftsfreien Ordnung gegen eine organisierte machtstrebende Minderheit verteidigt werden soll.
Du sagst selber, solche Leute würden “alle Hebel in Bewegung setzen”, um nach oben zu kommen. Wird der Staat abgeschafft, verschwinden nicht diese Menschen, sondern insbesondere die Institutionen, die sie bisher (unvollkommen!) einhegen.
Nationalismus als einzigen Grund für Kriege und Konflikte halte ich ebenfalls für zu kurz. Gruppenbildung und Konflikte zwischen ihnen gab es auch schon vor Staaten.
Außerdem ist Machthunger und Statusstreben absolut kein auf Kapitalismus beschränktes Phänomen. Denk an Römer, Ägypter, Fürsten, Dschingis Khan… kein Kapitalismus, aber jede Menge Machtstreben und Größenwahn.
Natürlich ist Zusammenarbeit auch eine tiefsitzende Kernfunktion des menschlichen Zusammenlebens, aber gerade WG-Leben oder nachbarschaftliche Hilfe sind Beispiele basierend auf kleineren Gruppen mit freiwilliger Mitgliedschaft und eben auch eingebettet in einen funktionierenden Rechtsrahmen durchgesetzt durch den Staat, für den Notfall. Wenn dein einer WG-Mitbewohner plötzlich anfängt Faxen zu machen und zb nicht mehr wie vereinbart die gemeinsame Miete bezahlt oder ein paar Gegenstände aus deinem Zimmer in sein Zimmer umziehen lässt, bist du dem nicht schutzlos ausgeliefert. Ich bin ehrlicherweise sehr skeptisch, wie sich so eine Struktur auf Millionen anonymer Menschen übertragen lässt.
Zu sagen, dass sämtliche Gegenbeispiele von mir “Produkte des Status Quo” wären, macht deine Position ja praktisch unwiderlegbar. Rhetorisch vielleicht bequem, erkenntnistheoretisch aber schwierig. Zumal: wenn Herrschaft nur ein Produkt bestehender Herrschaft ist, wie kam sie dann in die Welt? Beweist die Geschichte nicht eindrücklich, wie Herrschaft immer wieder aus herrschaftsfreien Zuständen hervorging?