IMO | Ich bin gegen diese Demokratie
Ja richtig gelesen, ich bin gegen diese gegenwärtige Form der Demokratie, der parlamentarischen Demokratie die wir gegenwärtig in Deutschland haben. Und nein ich bin nicht für Diktatur der Monarchie, sondern für einen wesentlich radikaleren Ansatz der Demokratie. Ohne Staat, ohne Politiker, ohne Kapitalismus. Menschen die eine gemeinsame Basis haben und dezentral und betroffenheitsbasiert selbst entscheiden was für sie das richtige ist. Nicht im Mehrheits- sondern im Konsensentscheid, mit Vetorecht für den Einzelnen als eingebauter ultimativer Minderheitenschutz. Ganz ohne Herrschaft des einen Menschen über den anderen.
#IMO #Gedanken #Demokratie #Mehrheitsentscheid #Konsensentscheid #Parlamentarismus #Staat #Kapitalismus #Herrschaft @dach
Über das ‘sollen’ ließe sich ja noch streiten. Ich sehe halt nicht, warum wir zurück ‘würden’.
Wie du schon sagst: so lange auch nur eine Gruppe sich mehr davon verspricht, sich einfach gegen den Rest zu verbünden und die eigenen Vorstellungen durchzudrücken, wird es nicht klappen.
Das ist doch letztlich in allen Gesellschaftsformen so, das einzelne Grenzen testen und zu ihrem Vorteil verschieben möchten.
Warum solltest du für jemanden kämpfen und die Gesundheit von dir und deiner Familie/Freund*innen aufs Spiel setzen, wenn dir die anderen Herrschaftsfreiheit und die Erfüllung deiner Bedürfnisse bieten?
Der Vorteil ist die Erfüllung deiner Bedürfnisse. Wenn du lieber alleine unterwegs sein möchtest, dann mach das. Kooperation ist und bleibt aber der Schlüssel zum Erfolg menschlicher Gesellschaften. Ist das kompliziert? Fraglos. Ist das möglich? Definitiv.
Warum will Trump immer mehr Macht, obwohl er Geld hat, eine Familie, ein Haus, keinen Hunger leidet, etc? Warum will Putin die Ukraine erobern, obwohl er bereits das größte Land der Erde besitzt? Warum schmeißt sich sein Volk für ihn bereitwillig an die Front und lässt sich verheizen? Warum will China unbedingt Taiwan erobern, obwohl das wirtschaftlicher Selbstmord ist und der Entwicklung des eigenen Volk abträglich? Warum wählen Menschen in Deutschland, denen es global gesehen extrem gut geht, die AfD? Weil der Mensch an sich halt, sobald er etwas hat, einfach oft immer noch ein bisschen mehr will.
Ich glaube, ich verstehe worauf die hinaus willst. Drei Punkte dazu:
Zusammenfassend: Alle Punkte, die du genannt hast, sind für mich Argumente gegen den Status Quo, weil ich sie für Produkte (keine Irrläufer) des Status Quo halte. Das ist einfach eine Frage der Perspektiven.
Die Frage ist doch nicht, ob alle oder die meisten Menschen machthungrig sind, sondern wie sich in einer herrschaftsfreien Ordnung gegen eine organisierte machtstrebende Minderheit verteidigt werden soll.
Du sagst selber, solche Leute würden “alle Hebel in Bewegung setzen”, um nach oben zu kommen. Wird der Staat abgeschafft, verschwinden nicht diese Menschen, sondern insbesondere die Institutionen, die sie bisher (unvollkommen!) einhegen.
Nationalismus als einzigen Grund für Kriege und Konflikte halte ich ebenfalls für zu kurz. Gruppenbildung und Konflikte zwischen ihnen gab es auch schon vor Staaten.
Außerdem ist Machthunger und Statusstreben absolut kein auf Kapitalismus beschränktes Phänomen. Denk an Römer, Ägypter, Fürsten, Dschingis Khan… kein Kapitalismus, aber jede Menge Machtstreben und Größenwahn.
Natürlich ist Zusammenarbeit auch eine tiefsitzende Kernfunktion des menschlichen Zusammenlebens, aber gerade WG-Leben oder nachbarschaftliche Hilfe sind Beispiele basierend auf kleineren Gruppen mit freiwilliger Mitgliedschaft und eben auch eingebettet in einen funktionierenden Rechtsrahmen durchgesetzt durch den Staat, für den Notfall. Wenn dein einer WG-Mitbewohner plötzlich anfängt Faxen zu machen und zb nicht mehr wie vereinbart die gemeinsame Miete bezahlt oder ein paar Gegenstände aus deinem Zimmer in sein Zimmer umziehen lässt, bist du dem nicht schutzlos ausgeliefert. Ich bin ehrlicherweise sehr skeptisch, wie sich so eine Struktur auf Millionen anonymer Menschen übertragen lässt.
Zu sagen, dass sämtliche Gegenbeispiele von mir “Produkte des Status Quo” wären, macht deine Position ja praktisch unwiderlegbar. Rhetorisch vielleicht bequem, erkenntnistheoretisch aber schwierig. Zumal: wenn Herrschaft nur ein Produkt bestehender Herrschaft ist, wie kam sie dann in die Welt? Beweist die Geschichte nicht eindrücklich, wie Herrschaft immer wieder aus herrschaftsfreien Zuständen hervorging?