Wer in Sachsen-Anhalt mit einem der niedrigsten Ausländeranteile gegen Staatsfunk, Ausländer und ‘die da oben’ wettert, während vor dem frisch sanierten Haus auf der neu gemachten Straße zwei Kompakt-SUVs für Mama und Papa parken, der hat keinen Grund Faschisten zu wählen.
Einfach mit nem Halbsatz sämtliche Probleme der Wende und dem darauf folgenden wirtschaftlichen Abstieg des Ostens weg argumentiert. Stark.
Schönes Bild aus den Kommentaren des Blogs:

Ja und nein. Es sind sicherlich nicht alle so, aber auch im Freundeskreis meiner Eltern sehe ich das wie in dem Kommentar: alle haben ein Eigenheim, relativ gute Jobs, teils erfolgreiche Unternehmer… und es wird rumgejammert als ob ihnen jemand das letzte Hemd klauen würde.
Es gibt genügend, denen es echt dreckig geht und viele sind aus der Wende wesentlich schlechter rausgekommmen, als es hätte sein müssen. Aber wenn selbst die Gewinner jammern, dann ist irgendwas falsch.
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Wende und dem darauf folgenden wirtschaftlichen Abstieg
Ich würde eher sagen dem nicht folgenden wirtschaftlichen Aufstieg. Bzw. wirtschaftlichem Aufstieg nur für Investoren aus dem Westen.
Die Leute sind zu Hauf arbeitslos geworden. Was soll dass denn sonst sein, wenn nicht ein wirtschaftlicher Abstieg? Und dann wurden teils ihre Abschlüsse nicht anerkannt, wodurch sie in anderen Berufen mit niedrigerer Qualifikation arbeiten mussten. Was auch erstmal ein Abstieg ist.
Du, das ist etwas, ich glaube, dafür muss man die DDR wirklich mal erlebt haben. Ich war zwar damals noch ein Kind und wir kamen nur aus Westdeutschland zu Besuch herüber, aber der Zustand der DDR 1989 war wirklich katastrophal schlimm. Schlimm auf einem Niveau, das man sich heute kaum noch vorstellen kann. In den Geschäften gab es nicht alles zu kaufen, sondern es gab einen gehörigen Mangel. Bestimmte Produkte waren auch nur über Verbindungen zu bekommen, weil so ein Mangel herrschte. Die Wohnungen wurden zum Großteil mit Braunkohleöfen beheizt. Das bedeutet, dass die gesamten Städte stanken. Trabi und Wartburg waren technisch auf dem Stand der 60er und definitiv nicht mehr Westdeutscher Standard. Die Straßen waren zum Teil noch Kopfsteinpflaster aus dem Kaiserreich. Es gab auch kein flächendeckend funktionierendes Telefonnetz und die Innenstädte waren unglaublich heruntergekommen. Auch wenn man in den Außenbereich gekommen ist, hat man gemerkt, wie marode alles war. Selbst Leute, die ihre Wohnungen und Häuser pflegen wollten, konnten dies häufig nicht, weil Baumaterial knapp war. Und wenn man mal in die Fabriken gekommen ist, was ich damals sogar bin, dann hat man festgestellt, dass diese zum Teil ebenfalls hart marode waren oder absolut minderwertige Produkte hergestellt haben. Es wird sicher gerne über die Abwicklung der DDR-Industrie beschwert und über die bösen Westdeutschen. Ja, es gab damals natürlich auch Goldgräber, aber vieles war auch nicht zu retten, weil es völlig heruntergekommen war, seit Jahrzehnten von der Substanz gelebt hat und nicht konkurrenzfähig war. Man kann jetzt Robotron-Nostalgie haben, aber deren Rechner waren halt extrem zurück im Vergleich zu den westlichen Modellen.
Schaut man sich dann jetzt Ostdeutschland 36 Jahre später an, dann hat dies einen der wohl größten wirtschaftlichen Aufstiege eines Landes überhaupt hingelegt. Die Innenstädte sind renoviert, die Straßen sind neu, es gibt neue Verkehrsverbindungen, ein funktionierendes Telefonnetz, überall Handynetz, Internetverbindungen in Glasfaserqualität, die Infrastruktur ist saniert, die Luft ist sauber, diverse Altlasten saniert und diverse Industrie hat sich neu angesiedelt.
Ja, die Transformationszeit war nicht wirklich schön für die Betroffenen, aber es kann man einfach nur als Aufstieg bezeichnen. Um das zu verstehen, muss man aber die DDR gekannt haben und dann realistisch mit heute vergleichen. Pure Ostalgie, nachdem dann damals alles super und toll war, hilft einem da nicht weiter.
Bin zur Wende geboren und kann das bestätigen. Es sah aus, wie nach einem Krieg. Klar, wer von den Absurditäten des ostdeutschen Wirtschaftssystems profitiert hatte ist erstmal tief gefallen, für alle anderen ging es aber schnell bergauf. Mittlerweile sehen viele ostdeutsche Städtchen gepflegter aus als ihre westdeutschen Äquivalente, wo alles alt ist. Klar, beim Aufbau Ost konnte man keine alten Straßen bauen.
Absolut, aber es ging doch jetzt erstmal nur um die Transformationszeit, oder?
Man kann sich jetzt streiten wann das gegriffen hat und man darf da dann auch alle berücksichtigen, die in den Westen gegangen sind, denen es dann sehr schnell direkt wirtschaftlich besser ging am neuen Wohnort mit neuem Arbeitsplatz.
Ist nicht korrekt und leider ein Fehler der dringend aus den Köpfen gehört, es war definitiv ein wirtschaftlicher Abstieg. Die gegenteiligen Behauptungen kommen häufig aus dem Liberalen-Westdeutschen-Weltverbesserer Gedankengut.
Siehe dazu meinen größeren Beitrag oben, ich kann dir da nur widersprechen
Ich bin Thüringer. Europäer. Antifaschist. Faktenmensch. Ich will “Ostdeutsch” nicht claimen. Ich will, dass Ostdeutschland endlich mal aufwacht. Zwangsurlaub für alle Sachsen-Anhaltiner in Dortmund, Essen und Solingen. Als Realitätscheck, wie gut es euch hier geht. TikTok-Verbot für alle mit dem Namen Thomas, Stefanie und Mandy.
Keine Ahnung, ob die Westverschickung irgendwen vom AfD Wählen abbringen würde. Die von den üblichen Youtubern interviewten Ostdeutschen, die ein Ausländerproblem fühlen, verorten das nach Hinweis auf die fehlenden Ausländer im Osten stets in westdeutschen Großstädten.