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Sind wir nicht schon in der post-Postmoderne?
Stimme dir aber sonst zu. Potenzial gibt es viel, aber in der Realität werden die meisten Bausünden durch die gleichen dreieinhalb Gebäudestile ersetzt, die es eh schon überall gibt. Ich glaube das Hauptproblem ist ein ganz simples: Früher waren die Bauherren meist lokal. Man hatte selbst eine enge Verbindung zu dem Ort, an dem ein Gebäude errichtet wurde, nutzte es persönlich oder sah es jeden Tag. Heute sitzen die in irgendwelchen Firmenzentralen weit weg vom Geschehen und jedes individuell in Auftrag gegebene Gebäude ist nur noch eine Zahl in einer Exceltabelle, entsprechend schert man sich nicht groß darum.
Nebenbei bemerkt: Es gab freilich auch ganz früher schon sehr hässliche Gebäude - nur wurden diese nicht auf Postkarten gedruckt, standen oft nicht lange und wurden deswegen vergessen. Jede wilhelminisch geprägte Großstadt mit Prachtstraße im Zentrum hatte auch ihre Elendsviertel. Fabrikbesitzer und Slumlords bauten dort schnell und billig - aber ohne dabei von lästigen Bauvorschriften zu Themen wie Brandschutz, Licht, Raumhöhe und anderen Nettigkeiten eingeengt zu werden. Man kann zu Recht viel an den Plattenbauten der Nachrkiegszeit kritisieren, aber sehr oft haben diese einfache Menschen aus genau solchen prekären Wohnverhältnissen herausgeholt. Sie waren eine Problemlösung, die erst mit der Zeit selbst zu einem Problem wurde.