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Dumm. Einfach nur dumm.
rant.zip
Warum ist es denn so schwer, sich erstmal ein Fundament aufzubauen und dann von da aus zu agieren?
Warum muss man sich HIER in Deutschland bekämpfen?
Ist es denn wirklich falsch, sich erstmal um die Probleme im Inland zu kümmern und DANN sich um das Internationale zu kümmern? Ich sage ja absolut NICHT, dass man nichts machen soll, aber dafür brauchst du nun mal den Rückhalt und das Mandat deiner Bevölkerung.
Klar, es gibt bestimmt Altruisten, die andere vor sich selbst stellen, ohne zu zögern, aber der Großteil der Menschen wird das nun mal einfach nicht tun, das ist tragisch, aber leider einfach Fakt. Du kannst jetzt Jahrtausende lang versuchen das menschliche Wesen zu ändern, aber wann wird dann ernsthaft Hilfe geleistet?
Diese Menschen wollen überzeugt werden. Die wollen sich wieder besser fühlen, und dann sind die auch sehr viel eher bereit, selber zu helfen! Klar geht es denen objektiv erheblich besser als den Personen in Nahost, aber damit wirst du keinen Rückhalt gewinnen.
Für die hört sich das an wie: „Euch geht es doch gut genug! Stellt euch nicht so an!“ Aber Leiden ist nun mal subjektiv. Und du musst diese leidenden Subjekte überzeugen. Rechte versuchen das mit Hass, Schuldzuweisungen und Aufstachelung.
Ich plädiere dafür, dass wir das mit Reformen, Entlastungen und Umverteilung versuchen.
Lasst uns doch von hier die Lösung „exportieren“, statt die Konflikte hierher zu „importieren“.
Die einzigen, die profitieren, wenn sich zwei Linke schlagen, sind die Reichen und die Rechten.
Ich würde eher “naiv” und “verblendet” sagen. Dumm klingt für mich zu sehr nach Grundeigenschaft, während ich das eher für mangelndes Verständnis und fehlgeleiteten Enthusiasmus halte.
antwort.zip
Organisieren ist grundsätzlich schwer.
Ich hab jüngst erst “Waging a good War” von Thomas E. Ricks gelesen, der das Civil Rights Movement aus der Sichtweise eines Militärhistorikers beleuchtet um die Elemente aufzuzeigen, die dabei einer militärischen Kampagne gleichen (Organisation, Auswahl von Zielen, Planung des “Angriffs”, Training, Logistik, Vorgehen vor Ort, Disziplin…). Das schiere Ausmaß der Vorbereitungen ist der Hammer.
Dazu kommt menschliche Ungeduld:
Aus strategischer Sicht ist es wichtig, naheliegende Ziele zu wählen, die sich realistisch erreichen lassen, diese Erfolge dann zu konsolidieren damit sie wiederum einen Grundstein für weitere “Offensiven” darstellen können. Andernfalls riskieren wir, das gewonnene wieder zu verlieren.
Gleichzeitig ist es unbefriedigend, das Ziel zu klein zu wählen. Ich will nicht nur einzelne Probleme lösen, sondern die ganze Welt verbessern. Ich hab nicht die Zeit oder Geduld, ein Problem nach dem anderen anzugehen.
Die Priorisierung hier ist das Ergebnis mangelnder Weitsicht. Je länger wir mit Deutschland zubringen, desto mehr leiden die Palästinenser oder sonstige Gruppen, denen ich helfen will. Es fühlt sich egoistisch, nationalistisch an zu sagen “Mein Land ist mir (erstmal) wichtiger” wenn es meinem Land vergleichsweise besser geht.
Aber alleine kann ich wenig ausrichten. Vor allem, wenn meine eigene Regierung gegen mich arbeitet, hab ich einen deutlichen Nachteil. Da müsste ich zunächst die Regierung ändern. Das wiederum braucht, wie du absolut richtig feststellst, “nun mal den Rückhalt und das Mandat deiner Bevölkerung.”
Also müsste ich, um den Palästinensern zu helfen, zunächst meinen Landsleuten helfen, denen es vergleichsweise besser geht, damit es ihnen noch besser geht, während es den Palästinensern immer schlechter geht. Dass das nicht schmeckt ist verständlich. Die Welt ist unfair, und es widerstrebt jedem Idealisten, das hinzunehmen. Ich will sie verbessern, verdammt, nicht schulterzuckend akzeptieren, dass sie (teilweise) schlimmer wird.
Aber die gnadenlose Kalkulation des Krieges, ob militärisch gegen den politischen Willen zur Aggression oder zum Widerstand eines externen Feindes oder zivil gegen den politischen Willen, der das eigene, korrupte System erhält, schert sich wenig um Idealismus. Dieser grausame Pragmatismus stößt mir auch sauer auf, aber verwehren kann ich mich ihm nicht.
Scharf formuliert ist das Priorisieren ferner Ziele vor diesem Hintergrund ein moralischer Chauvinismus, lieber nichts zu erreichen, als Leuten zu helfen, die es weniger nötig hätten als andere. Alternativ ist es ein Ausdruck verblendeter Arroganz die eigene Macht so zu überschätzen, dass man sich einbildet, man könne andere zwingen, die eigenen Kriege mitzukämpfen.
Ironischerweise ist der Ansatz, andere für die eigene Sache zu verpflichten, ein typisches Merkmal des Imperialismus. Ich will nicht unterstellen, dass das Absicht sei, wenn es auch einfach kurzsichtige Ignoranz sein kann, aber ungeschickt ist das trotzdem.
Was wir brauchen ist also die Bereitschaft, Kompromisse zu machen. Grundsätzlich zwischen den eigenen hohen Zielen und den Schranken des realistischen, aber auch im Rahmen des Versuchs, Dinge zu verbessern, ist oft ein gewisses Nachgeben nötig. Harte Kanten kommen selten gut an und provozieren mehr Widerstand.
Die CRM-Anführer haben wohl teilweise Forderungen gestellt, von denen sie wussten, dass sie zu weit gehen, damit sie bei den Verhandlungen Raum zum Nachgeben haben. Das gibt dem Ergebnis zumindest ein Stück weit den Charakter einer Einigung, statt den aufgezwungener Bedingungen.
Ich hasse Kompromisse, aber vom Stolz alleine kann ich mir nichts kaufen, wenn die Kosten weiter steigen.
Das kann ich unterschreiben. Bei meinem versuch das zu benennen was mir da im Kopf umher geht bin ich geistig über die Begriffszusammensetzung “National-sozialismus” gestolpert und hab ich etwas erschreckt. 😅
So geht mir das mit strategischen wählen! >:(
Vor allem bin ich mir sicher das es bessere Staatsmänner/frauen/personen gibt als mich, also sind Kompromisse allein schon daher mit eingeplant.
Und ich bin mir auch sicher das es Kompromisse gibt, die das praktische mit dem gerechten verbinden.
Was weiß ich, bspw. Deutschland will aufrüsten um von den USA unabhängig zu werden? Ja dann keine Waffenexporte mehr und alles in die Arsenale. Die Waffen die da liegen werden nicht so schnell ein Krankenhaus zerstören. (Ob das wirklich so klappen kann, keine Ahnung aber etwas in die Richtung wird doch garantiert möglich sein.)