Positiv muss ja nicht immer nur Utopien bedeuten. Das Genre der Space Opera hat viele Autoren und Reihen, die die Menschheit zwar fehlerbehaftet, aber in ihrem Potential und einer vorangeschrittenen Zivilisation betrachten.
Die Commonwealth-Reihe und vor allem dann der Übergang zur Void-Trilogie von Peter F. Hamilton z.B. haben viel positiven Transhumanismus (der ja auch durch die Tech-Bros in Verruf geraten ist). In der ersten Reihe hat die Menschheit noch das Problem, dass der gesellschaftliche Fortschritt dem technischen nicht gefolgt ist, aber in der Void-Trilogie hat die Menschheit dann viele dieser alten Probleme überwunden.
Ganz anders, auch keine Utopie, aber auf menschlicher Ebene sehr positiv ist die Wayfarers Reihe von Becky Chambers. Es geht in jedem Band um eine eigene Geschichte, mit manchmal als Nebencharaktere wiederkehrenden Figuren der vorherigen Geschichten und oft einfach um außergewöhnliche Erlebnisse von Alltagspersonen in einem recht bunten Universum. Bisschen “Woke”, aber war mal eine ganz andere Perspektive auf das Genre, die ich sehr genossen habe.
The Expanse von James S. Corey kennen bestimmt einige, könnte man auch eher als Dystopie sehen, mit den Machtspielchen und dem Klassenkampf. Aber ich finde immer entscheidend welches Menschenbild transportiert wird, z.B. hier der Zusammenhalt der Belter und die Counter-Culture, die sich dort aus den verschiedensten Erden-Kulturen und Ethnien als eigene Identität entwickelt hat. Und der familiäre Zusammenhalt der Crew der Rocinante ohne ein einziges Fünkchen Misstrauen und Verrat über die ganze Reihe.
Die Children of Time/Ruin/Memory Reihe von Adrian Tchaikovsky is konzeptionell etwas abgedrehter, aber auch positiv in dem Sinne, dass das zentrale Motiv die Kommunikation und Kooperation ist, zwischen verschiedenartigsten Spezies und deren Wandlung (und nicht nur der “anderen”, sondern auch der Menschlichen Spezies selbst) und integration in eine gemeinsame friedvolle Zivilisation, zu der jeder mit seinen Stärken beiträgt. Obwohl die Ausgangsbasis der einzelnen Geschichten immer der Zusammenbruch des alten Menschlichen Empires ist, liegt der Fokus nicht auf dem Verfall, sondern was daraus entstehen konnte und die Fehler der Vergangenheit zu vermeiden.
Foundation von Issac Asimov als honorable Mention, auch wenn es nie meins war.
Da liegt der Denkfehler. Unsere Wirtschaft != Deren Wirtschaft. Denn in deren Wirtschaft geht es primär zuallererst um Rendite für Investoren.
Hier ist das Endgame ein Dezimieren oder schließlich vollständiges Abschaffen der staatlichen/gesetzlichen Sozialversicherungen zugunsten eines Amerikanischen Modells, dass jeder sündhaft teuer privat versichert ist und eine staatlich unterstützte Alternative am Existenzminimum vielleicht für die Armen existiert.
Und der erste Schritt dazu ist ein Kaputtsparen des gesetzlichen Systems und aufweichen des Solidaritätsprinzips. Als nächster Schritt kommt dann die Argumentation, das alte System wäre gescheitert, trägt sich nicht, wäre zu ineffizient und kann die Versorgung nicht mehr sicherstellen, darum müssen die Bürger zu einer privaten Versicherung verordnet werden, die ja effizienter arbeiten, weil irgendwas irgendwas freier Markt. Vorgegangen wird dieser Weg ja bereits bei der Rente, und das Volk schluckt es bereitwillig.