Immer häufiger müssen Rettungskräfte an Schulen ausrücken, weil Kinder und Jugendliche auf dem Pausenhof plötzlich das Bewusstsein verlieren. Dahinter steckt nach Erkenntnissen der Ermittler nicht etwa eine Erkrankung – sondern häufig eine lebensgefährliche Mutprobe: die sogenannte „Blackout“- oder „Würge-Challenge“.

Bei dem aktuell über soziale Medien verbreiteten Trend würgen sich Kinder und Jugendliche gegenseitig oder schnüren sich selbst kurzzeitig die Sauerstoffzufuhr zum Gehirn ab, um einen vermeintlichen Rauschzustand oder einen kurzen „Blackout“ zu erleben. Was für manche wie ein harmloser Nervenkitzel klingt, kann innerhalb weniger Sekunden zu schweren Hirnschäden oder sogar zum Tod führen.

Die Mutprobe erreicht die Schulhöfe

Erst am Freitag kam es in Mecklenburg-Vorpommern zu einem erschreckenden Vorfall. Wie die Polizei mitteilte, hat sich ein zwölf Jahre alter Schüler im Landkreis Ludwigslust-Parchim auf dem Schulhof von einem Mitschüler bis zur Bewusstlosigkeit würgen lassen. Als der Junge das Bewusstsein verlor, stürzte er zu Boden und schlug mit dem Kopf auf. Er wurde mit einem Rettungswagen in ein Krankenhaus nach Schwerin gebracht.

Nach Angaben der Ermittler steht der Vorfall in klarem Zusammenhang mit der „Blackout Challenge“. Laut Polizei soll der 13-Jährige seinen jüngeren Mitschüler ausdrücklich darum gebeten haben, ihn bis zur Bewusstlosigkeit zu würgen. Die Beamten ermitteln nun wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung.

Mehrere Fälle in den letzten Wochen

Der Fall aus dem Landkreis Ludwigslust-Parchim reiht sich in eine Serie ähnlicher Vorfälle ein. Ob in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen oder Rheinland-Pfalz – immer wieder berichten Polizeibehörden von Kindern und Jugendlichen, die sich auf Schulhöfen oder in ihrem Umfeld gegenseitig würgen, um den gefährlichen Trend nachzuahmen. Mehrfach endeten die Mutproben mit Bewusstlosigkeit und Rettungsdiensteinsätzen.

Allein zwischen Anfang Juni und Anfang Juli 2026 wurden mindestens vier Vorfälle auf Schulhöfen bekannt, bei denen deutsche Polizeibehörden einen klaren Zusammenhang mit der Challenge herstellten. In allen Fällen wurden die Kinder dabei verletzt.

Ein besonders schwerwiegender Fall ereignete sich 2023 an einer Grundschule in Berlin. Eine Schülerin wurde nach einer mutmaßlichen Teilnahme an der „Blackout Challenge“ bewusstlos. Nach damaligen Berichten sollen beteiligte Kinder verhindert haben, dass Hilfe geholt wurde. Demnach wollten mehrere Fünft- und Sechstklässler die Challenge nachmachen. Als eines der Mädchen das Bewusstsein verlor, sollen die Beteiligten es an eine abgelegene Stelle gebracht und versucht haben, ihm Wasser einzuflößen. Ein Mädchen, das Hilfe holen wollte, soll bedroht worden sein.

Todesfälle in Deutschland und im Ausland

Dass die Gefahr keineswegs nur theoretisch ist, zeigen mehrere Todesfälle – darunter auch mindestens einer in Deutschland. Im Landkreis Kassel starb vor rund zwei Jahren eine 13-Jährige im Zusammenhang mit der „Würge-Challenge“. Nach Angaben ihrer Familie nahm das Mädchen an der Mutprobe teil und würgte sich dabei vor laufender Kamera selbst. Angehörige fanden die Jugendliche später bewusstlos und ohne Atmung vor, der alarmierte Notarzt konnte nur noch den Tod feststellen. Die Mutter warnte anschließend andere Eltern eindringlich vor den Gefahren solcher Internet-Mutproben.

International sorgte die gefährliche Challenge bereits Jahre zuvor für Schlagzeilen. Im italienischen Palermo starb 2021 ein zehnjähriges Mädchen, nachdem es mutmaßlich an der „Blackout Challenge“ teilgenommen hatte. Auch aus den USA und Großbritannien wurden in den vergangenen Jahren mehrere tödliche Fälle bekannt. Angehörige werfen sozialen Netzwerken vor, die Verbreitung solcher gefährlichen Inhalte durch ihre Plattformen mit begünstigt zu haben.

Experte rät: Immer ein Auge aufs Kinderhandy haben

Die Polizei appelliert an Eltern, Schulen, Vereine und andere Erziehungsverantwortliche, Kinder und Jugendliche für die Risiken gefährlicher Online-Mutproben zu sensibilisieren.

Bereits im vergangenen Jahr thematisierte auch Axel Heiner, Kriminalhauptkommissar und Experte für Medienprävention beim Polizeipräsidium Reutlingen in Baden-Württemberg, die Gefahren problematischer Online-Inhalte. Mit Blick auf die „Blackout Challenge“ verwies Heiner auf ein Verfahren in den USA: „Im Sommer 2024 wurde TikTok nach dem Tod einer 10-Jährigen, die durch TikTok-Videos animiert wurde, an der sogenannten Blackout-Challenge teilzunehmen, in erster Instanz wegen des verwendeten Algorithmus und somit fehlenden Jugendschutzes verurteilt.“

Als Präventionsbeauftragter empfiehlt Heiner Eltern, die Nutzung von Apps wie TikTok einzuschränken. Jugendliche sollten die Plattform nur zeitlich begrenzt nutzen können. Zudem sei es wichtig, Accounts mit dem tatsächlichen Alter des Nutzers anzulegen, „da nur so der appinterne Schutz vor unpassenden Inhalten und Kontaktaufnahmen durch Fremde“ greifen könne. Grundsätzlich sei es aus seiner Sicht am besten, Kindern unter zwölf Jahren die Nutzung der App zu verbieten.

TikTok verweist auf Telefon-Seelsorge

Auch TikTok hat inzwischen Maßnahmen im Umgang mit gefährlichen Challenges ergriffen. Die Plattform schränkt die Auffindbarkeit bestimmter Suchbegriffe ein und verweist Nutzer bei entsprechenden Suchanfragen auf Warnhinweise zu riskanten Mutproben sowie auf Hilfsangebote wie die Telefon-Seelsorge.

Das bedeutet allerdings nicht, dass sämtliche Videos zu solchen Challenges automatisch gelöscht werden oder verschwinden. Die Inhalte sind lediglich schwerer auffindbar.

  • lichtmetzger@discuss.tchncs.deOP
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    31
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    2 days ago

    Die Plattform schränkt die Auffindbarkeit bestimmter Suchbegriffe ein

    Tiktok hat ja sonst auch keine weitere Möglichkeit, das Löschen von Videos ist technisch viel zu aufwändig! /s

    • Helix 🧬@feddit.org
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      7
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      1 day ago

      TikTok ist echt eine psy-op um den “Westen” zu destabilisieren. Dass die Chinesen Doujin und nicht TikTok haben spricht Bände, TikTok würden die dort niemals erlauben.

  • ominous ocelot@leminal.space
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    16
    ·
    2 days ago

    Beantwortet der Nordkurier auch die Frage, ob wir uns so per Auslese klügere Kinder oder nur welche mit kräftigerer Halsmuskulatur heran züchten?

    Ein sommerliches Sommerloch haben wir dieses Jahr.

  • A_norny_mousse@piefed.zip
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    2 days ago

    In meinen Teenie-Tagen haben wir was ähnliches gemacht, aber ohne würgen. Wenn ich mich recht erinnere musste man sich an eine Wand stellen und jemand anders hat einem aufs Brustbein gedrückt, beim Ausatmen?